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klärte Dan den Profos auf.

      „Pigatto?“

      „Der nicht – ich traue ihm nicht zu, daß er seine Männer im Stich läßt.“

      Edwin Carberry kniff die Augen zusammen, als könne er auf diese Weise besser sehen. Trotzdem erkannte er nur einige vage Schatten inmitten der wirbelnden Rauchwolken.

      „Wenn du mir einen Bären aufbindest, Jungchen …“

      „Die Dons machen ihre Boote klar!“

      „Dann wir es Zeit für uns, einzugreifen. Der Mückenschisser auf der Back paßt bestimmt nicht mehr auf.“

      Philip Hasard Killigrew gelangte ungefähr gleichzeitig mit seinem Profos zu derselben Ansicht. Mittlerweile mußte der Querkopf Pigatto einsichtiger geworden und von seinem hohen Roß heruntergestiegen sein. Falls nicht, gab es genug Mittel, ihn zu einer anderen Ansicht zu bekehren. Der Profos würde dabei ganz bestimmt kräftig mitmischen.

      Hasard befahl, Fahrt aufzunehmen. Langsam glitt die Schebecke näher an die qualmende Galeone heran.

      Die Dons schöpften wie die Verrückten Wasser, allem Anschein nach aber ohne den erhofften durchschlagenden Erfolg. Lange konnte das nicht mehr gutgehen.

      Hasard fixierte die Back der „Respeto“. Er glaubte sogar, ungefähr dort, wo die Drehbasse montiert sein mußte, eine Bewegung zu erkennen. Augenblicke später stach eine grelle Feuerlanze durch den Dunst, gefolgt vom kurzen, aber scharfen Krachen der Pulverexplosion. Die Entfernung war mittlerweile gerade so, daß ein Einpfünder treffen konnte.

      Al Conroy, der unentwegt an seinen Culverinen ausharrte, wandte sich flüchtig zum Achterdeck um und winkte ab.

      „Das war ein Böller, Sir!“ rief er. „Ich will mich freiwillig zum Deckschrubben melden, wenn ich das nicht heraushöre.“

      Tatsächlich erfolgte nirgendwo ein Einschlag. Auch Backbord voraus stieg keine noch so kleine Fontäne auf.

      „Ein Kapitän, dessen Befehle nicht mehr wortgetreu befolgt werden, hat abgewirtschaftet“, sagte Don Juan. „Wahrscheinlich hält nur noch der Kampf gegen das Feuer die Crew der ‚Respeto‘ von einer offenen Meuterei ab. Pigatto läßt auf uns schießen, und seine Geschützbedienung verzichtet auf die Kugel – deutlicher können die Verhältnisse kaum zutage treten.“

      Der Seewolf nickte flüchtig. Ungefähr fünfzig Yards trennten die Schebecke noch von der Galeone. Näher heranzusegeln, verbot sich von selbst. Während des ersten Schwelbrands waren zwar die Rumvorräte von Bord geschafft worden, keineswegs aber das sicher reichlich vorhandene Schießpulver.

      Hasard hatte mitgekriegt, daß die Pulverfässer und Kartuschen ursprünglich in mehrere Kammern aufgeteilt gewesen waren, um mit der schweren Gold- und Silberladung einen besseren Trimm zu erreichen, inzwischen lagerte aber wohl alles im Achterschiff.

      Sobald das Feuer die Pulvervorräte erreichte, würde die „Respeto“ in einer verheerenden Explosion in die Luft fliegen. Dann waren selbst hundert Yards Distanz zu wenig, dem Feuerregen zu entgehen, der im weiten Umkreis die See brodeln lassen würde.

      „Mister Carberry!“ rief Hasard. „Die Jolle zum Aussetzen bereit!“

      Die Mundwinkel des Profos’ wanderten bis gefährlich nahe an seine Ohrläppchen heran, und vorübergehend sah es so aus, als würde er sich den Kiefer ausrenken.

      Aber dann schallte sein begeistertes „Si, si, Capitán!“ über Deck.

      Hasard wählte den Profos, Don Juan, Ferris Tucker und Bob Grey als weitere Begleitung aus. Bis er selbst in das Boot abenterte und auf der Achterducht Platz nahm, warteten sie schon begierig aufs Abstoßen.

      Niemand auf der „Respeto“ schien das kleine, sich schnell nähernde Boot zu sehen. Die Dons hatten genug mit sich selbst zu tun. Hasard steuerte auf die Höhe des Großmasts zu.

      Endlich wurden zwei Kerle, die hastig mit allen möglichen Gefäßen Wasser schöpften, aufmerksam. Sie ließen sich aber nicht für einen Augenblick unterbrechen.

      Natürlich brachte niemand eine Jakobsleiter aus, das wäre zuviel verlangt gewesen. Bob Grey, der drahtige, blonde Engländer, kletterte über die Berghölzer und die Großmastrüsten zur Kuhl hinauf.

      Edwin Carberry folgte ihm wohlweislich sozusagen auf den Fersen, und das war gut so, denn der Empfang für Bob fiel alles andere als besonders freundlich aus. Es sei denn, er hätte Gefallen an der Degenspitze gefunden, die haargenau auf seinen Bauch zielte.

      Capitán Pigatto höchstpersönlich stand am anderen, dem ungefährlichen Ende des Degens. Er wirkte verbohrt.

      „Ich habe niemanden an Bord gebeten!“ fuhr er Bob an.

      „Da er aber auch nun schon an Bord ist, werden Sie ihn nicht wieder wegschicken. Mich übrigens auch nicht.“ Der Profos schwang sich über die Verschanzung und deutete einen eleganten Kratzfuß an, der dem Kapitän wie blanker Hohn erscheinen mußte.

      „Runter von meinem Schiff!“ schnaubte Pigatto.

      Bob Grey war für ihn nicht mehr interessant. Die Klinge zuckte herum und zielte auf Carberry.

      „Was glaubst du Affenarsch eigentlich, wer du bist?“ Der Profos wich so schnell zur Seite hin aus und packte zu, daß dem Capitán die Zeit für eine angemessene Reaktion fehlte. Carberrys Finger schlossen sich bereits um Pigattos Handgelenk, als er den Degen nach vorn stieß.

      „Ts-ts-ts“, sagte der Profos, „das hätte ins Auge gehen können.“

      Er packte nur ein klein wenig fester zu, aber der Kapitän stieß einen gellenden Aufschrei aus und ließ den Degen fallen. Carberry bemühte sich gar nicht erst, die Waffe aufzuheben. Mit dem Fuß fuhr er unter die Klinge und wirbelte sie hoch, und geschickt faßte er mit der Rechten nach dem Griffstück.

      Als er Pigatto gleich darauf den Degen zurückgab, war der zwar nur mehr halb so lang, bestand dafür aber immerhin aus zwei Teilen.

      „Vorsichtig damit umgehen“, sagte er warnend. „Der Piekser ist verdammt spitz.“ Eindringlich fixierte er den Kapitän. „Wir sind hier, um zu helfen, nicht um uns zu prügeln.“

      Um Pigattos Mundwinkel zuckte es verächtlich.

      „Nur über meine Leiche“, antwortete er.

      Carberrys Grinsen wurde noch eine Spur breiter, als es ohnehin schon war.

      „Das kannst du haben, Señor“, sagte er freundlich.

      Miguel Pigatto wechselte mehrmals rasch hintereinander die Farbe. Er schien etwas erwidern zu wollen, brachte aber nur ein halb ersticktes Ächzen hervor. Sein Gesicht war jetzt rot wie eine überreife Tomate.

      Er starrte den zerbrochenen Degen an, dann den Profos und schließlich den vermeintlichen Don Julio de Vilches, Sonderbeauftragter seiner Majestät Philipp III., der eine bessere Behandlung verdient hatte, als sie ihm und seinen Leuten momentan widerfuhr. Dabei hatte der ehrenwerte Capitán diesen Don Julio schon einmal aufrichtig bewundert, nachdem der den letzten Schwelbrand gelöscht hatte. Aber das war Pigatto wieder entfallen.

      Tomas d’Alvarez, der Bootsmann, schien sich ebenfalls nur mühsam zu beherrschen. Schließlich galt es, das Feuer zu bekämpfen, und nicht die eigenen Landsleute. Die übrige Crew schuftete indessen unbeeindruckt weiter.

      „Ab sofort übernehme ich das Kommando über die ‚Respeto‘!“ rief Hasard über die Decks.

      Capitán Pigatto wollte aufbegehren, doch der Profos überzeugte ihn sehr schnell davon, was ihm zuträglich war und was nicht. Ein sanfter Klaps auf die Wangen hatte noch nahezu jeden Dickkopf zur Räson gebracht.

      „Capitán de Vilches kann das“, sagte Carberry betont. „Er könnte sogar dafür sorgen, daß du nie wieder ein Schiff betrittst.“

      Pigatto schluckte, verzichtete aber auf eine Antwort.

      Der Seewolf ließ sich von einigen

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