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      Miranda kicherte. „Den gut Aussehenden auf jeden Fall.“ Sie trat auf die Tür zu und entriegelte sie. „Zu spät“, sagte sie in ihrer klugscheißerischen Art und machte einen Schritt zur Seite, damit der Hübsche eintreten konnte.

      Bastian wollte Lucas folgen, aber dazu sollte es nicht kommen, denn Miranda stellte sich ihm machohaft in den Weg. „Du kommst hier nicht rein.“

      Aidin lachte. „Die Tür bleibt für Schwulis heute geschlossen.“

      Lucas dachte sich verhört zu haben. Er wandte sich zu den beiden Weibern um, die vor Bastian standen und sich weigerten, ihn hereinzulassen.

      „Guck mal, wie der wieder guckt“, machte Aidin sich über Bastian lustig.

      „Der heult gleich“, war sich Miranda sicher. „Was war das gestern überhaupt, häh?“, fragte sie. „Von wegen du hättest gegen Dinge gepinkelt, die schlauer wären als ich? Häh?“

      Bastian traute sich nicht, ihr zu antworten.

      Lucas kam sich wie in einem schlechten Film vor. Ohne Wenn und Aber drückte er die beiden frechen Mädchen an den Schultern zur Seite, damit Bastian eintreten konnte.

      „Ey!“, regte Aidin sich auf.

      „Was fasst du mich an?“ Miranda stolperte beinahe über ihre eigenen Füße.

      „Also du …“, sagte Aidin mit erhobenem Zeigefinger zu dem Typen, den sie keinesfalls von der Bettkannte gestoßen hätte, „bist mir jetzt richtig unsympathisch geworden.“

      „Wäre schlimm, wenn es andersrum wäre“, gab Lucas mit angewidertem Gesicht zurück. Dass sie ihn darauf mit offenem Mund dämlich anstarrte, fand er innerlich urkomisch. Um sie noch mehr zu schocken, hielt er Bastian die nächste Tür auf und legte obendrein seinen Arm um dessen Schulter.

      Hochrot lief Bastian an. In ihm breitete sich ein Gefühl von Geborgenheit aus, das jedoch schnell abflaute und sich in ein unwohles verwandelte.

      „Ist das etwa sein Freund?“, hörten die beiden Jungs die Türkin entsetzt ihre Freundin fragen.

      „Jetzt haben wir schon zwei Schwuchteln hier“, meinte Miranda abfällig. „Bah, der hat mich angefasst. Kriege jetzt bestimmt Aids!“

      „Das“, sagte Lucas belustigt, „sind also die Tussen, die dich nerven.“

      „Jupp“, bestätigte Bastian. „Und sie werden es jetzt erst recht tun.“

      „Wieso?“

      „Weil du deinen Arm um mich legst.“

      „Die halten dich doch schon für schwul, Mann. Für noch schwuler kann dich wohl keiner halten.“

      „Ja, aber man muss ja nicht noch Öl ins Feuer gießen.“

      „Ich finde, wir sollten sogar noch eins drauflegen.“

      Verwundert blickte Bastian in dieses frech grinsende Gesicht und erkannte aus dem Augenwinkel, wie die beiden Mädchen zu ihnen spähten. „Die beobachten uns.“

      „Wie wäre es mit einer innigen Umarmung?“, schlug Lucas vor.

      „Was? N-Nein.“ Bastian wischte Lucas‘ Hand von seiner Schulter, woraufhin er losgelassen wurde.

      „War nur ‘n Vorschlag, Mann. Sollen die doch labern. Das sind eifersüchtige Tussen, die nur so handeln, weil sie dich toll finden und nicht ham können.“

      „Glaubst du wirklich, dass die auf mich stehen?“ Allein der Gedanke daran, wie Miranda oder Aidin sich an ihm ranmachen würden, ekelte Bastian zutiefst an. „Bäh! Die Alte hat Haare auf’m Rücken.“

      Lucas lachte. „Welche?“

      „Die Türkin.“

      „Benimmt sich also nicht nur wie ein Affe, schaut auch noch so aus.“

      „Gruselig.“

      „Aber sag“, grübelte Lucas, als sie vor Bastians Klassentür stehen blieben. „Woher weißt du, dass die Alte Haare auf dem Rücken hat?“

      „Aus dem Sportunterricht weiß ich es.“

      „Ach so.“

      „Dachtest du etwa?“, fragte Bastian entgeistert.

      Lucas zuckte die Achseln. „Na, mich willst du ja nicht küssen.“

      Darauf fand Bastian keine Worte.

      Aus Spaß streckte Lucas ihm die Zunge raus. „Du bist echt verdammt knuffig, wenn du schüchtern wirst.“

      „Ähm, ja …“ Verlegen kratzte Bastian sich am Nacken. „Ich gehe dann mal in die Klasse.“

      „Ganz sicher keinen Kuss?“, fragte Lucas wollüstig und trat näher an ihm heran. „Nur, um sie zu schocken.“ Er fasste Bastian an die Hüften. Ganz nah standen sie nun beieinander.

      Am liebsten hätte Bastian sich ihm auf der Stelle bedingungslos hingegeben, doch was wäre, wenn Lucas ihn nur veräppeln würde? Was, wenn Lucas in Wahrheit zu Miranda und Aidin gehörte und sie Freunde wären? „Ich“, sagte Bastian schweren Herzens und trat einen Schritt zurück, „gehe da jetzt rein.“

      Lucas verzog das Gesicht zu einer bekümmerten Miene, lächelte aber schnell wieder. „Wir sehen uns in der Pause.“

      „Ja, das werden wir“, erwiderte Bastian, der merkte, wie seine Hand beim Öffnen der Tür zitterte.

      „Dann bis nachher“, verabschiedete Lucas sich mit einem Zwinkern.

      Nachdem Bastian in der Klasse war, hörte er die beiden Weiber kichern.

      „Bist du schwul?“, fragte Miranda den Neuen.

      Belustigt wandte Lucas sich beim Gehen zu ihr um. „Bist du ein Mädchen?“, fragte er in gleich dummer Art und machte wieder kehrt.

      „Boah!“, fluchte Aidin. „Der denkt, du wärst ein Junge!“

      „Wenigstens bin ich nicht schwul!“, rief Miranda ihm gehässig nach.

      Lucas hob den Arm und zeigte ihr den Mittelfinger.

      „Voll die Tucke“, kicherte Aidin und öffnete die Klassentür.

      Frau Pan sah die beiden Freundinnen erbost an. „Und wo kommt ihr jetzt her?“

      „Uns hat so ein Typ nicht die Tür aufgemacht“, log Miranda sie an und blinzelte zu Bastian, der die Frechheit besaß, abwertend die Augenbrauen zu heben.

      „Ach, kommen wir auch mal, ja?“ Herr Bröller stemmte empört die Hände in die Hüfte und blickte zu Lucas, der die Tür leise hinter sich schloss. „Keiner kommt zu spät, nur du.“

      „Scheiße, Mann, viel Verkehr“, meinte Lucas und nahm Platz.

      „Dann musst du früher aufstehen!“

      „Nichts für ungut, Herr Bröller, aber mit Ihrer Art und Weise, wie Sie mit mir sprechen, erreichen Sie gar nichts.“

      „Dann hättest du dich wenigstens entschuldigen können!“

      Lucas war genervt. Er griff nach seinem Rucksack, stand auf und ging wortlos hinaus.

      Herr Bröller war entgeistert. Und dann klopfte es wenige Sekunden später auch noch an der Tür. „Ja, bitte?“ Als er Lucas hereinkommen sah, fielen ihm förmlich die Augen heraus.

      „Entschuldigung“, sagte Lucas, während er die Tür hinter sich schloss, „wollte nicht zu spät kommen.“ Er setzte sich abermals im Gekicher der anderen auf seinen Platz.

      „Willst du mich eigentlich verarschen?“, fragte der Lehrer ihn grimmig.

      „Sie sagten doch, dass ich mich wenigstens entschuldigen

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