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entscheidenden Treffer landen oder ich. Es geht jetzt einzig und allein darum, den Mann zu erwischen, der das faule Ei in die Brücke gelegt hat. Und wenn ein Laufjunge den Täter schnappt oder entlarvt, dann ist das mir genauso lieb, als finge ich ihn selbst. Darauf nur kann es uns ankommen, Tom, nur darauf. Wenn Sie Filmstar werden wollen, dann nehmen Sie den nächsten Clipper nach Hollywood.“ Ich sah ihn eindringlich an und sagte scharf: „Ich hoffe, Sie sehen das ein!“

      Er stoppte ab, blickte mich an und meinte trocken: „Ich komme mir vor wie nach einer Sauna. Mensch, so hat mich seit vier Jahren keiner mehr durchs heiße Wasser gezogen. Machen Sie das öfter?“

      Er griente breit, zog sich eine Zigarre aus der Ledertasche und bot mir eine an. Als ich den Kopf schüttelte, fuhr er fort: „Sie haben sogar recht, Rex, das ist das Schlimmste für mich!“ Er brannte sich die Zigarre an, steckte sie in die Spitze, und fuhr wieder los.

      Eine Weile schwiegen wir. Ich machte mir Gedanken über den Mann neben mir. Er war an sich in Ordnung, und dass er die Standpauke so gut geschluckt hatte, bewies eigentlich, dass er die richtige Grundeinstellung hatte.

      Als ich mir gerade eine Zigarette ansteckte, sagte er: „Hinter uns fährt seit einiger Zeit ein Wagen. Blauer Chevy. Sehen Sie mal unauffällig zurück. Als ich vorhin gehalten habe, hat der auch gestoppt. Ist das eine Eskorte, die Sie veranlasst haben?“

      Ich drehte mich nicht um, sondern zog meinen Taschenspiegel heraus, und nun sah ich das Fahrzeug ebenfalls. Nein, das war keiner von uns.

      „Ich habe keine Eskorte bestellt, Tom. Halten Sie mal an!“

      Der andere Wagen kam näher, stoppte dann ab, um sofort wieder loszujagen. Er kam rasch näher und setzte zum Überholen an. Tom hielt inzwischen scharf rechts an. Ich drehte mich um und erkannte im anderen Wagen zwei Männer. Ich konnte die Gesichter nicht deutlich sehen, aber beide starrten auf unseren Wagen. Als sie fast auf gleicher Höhe mit uns waren, sah ich den Revolver in der Hand des Beifahrers.

      Ich packte Tom an der Schulter und riss ihn mit aller Kraft nach unten. Dann war der andere Wagen schon neben uns, und die Scheibe platzte. Die Scheibe von Toms Seitenfenster. Dann knallte es noch zweimal.

      Hastig zog ich meine Automatic heraus, hob den Kopf und sah den anderen Wagen mit aufblitzenden Stopplichtern dicht vor uns. Sie hielten. Ihr Wagen stand schräg vor dem unseren, und das war die winzige Chance, die wir hatten. Denn was jetzt kam, dagegen nutzte uns meine Automatic zunächst nichts.

      Ich sah, wie der eine der beiden Männer vorn sich erhob. Ich erkannte lediglich den Umriss seiner Gestalt durch das Rückfenster. Und ich sah einen Gegenstand, den er in den Händen zu halten schien. Es konnte eine MPi sein. Ich wollte nicht erst abwarten, bis mir der schlagende Beweis für diese Annahme um die Ohren flog.

      „Raus!“, keuchte ich und stieß die rechte Tür auf. Im selben Augenblick prasselten die ersten Schüsse auf unseren Wagen.

      Ich ließ mich aus dem Wagen fallen, war im Schutze des rechten Vorderrades und schoss sofort auf die Reifen des anderen Fahrzeuges. Zweimal knallte es wie ein Kanonenschuss, aber sofort ratterte wieder die MPi.

      Was aus Tom geworden war, wusste ich nicht, konnte es jetzt auch gar nicht nachprüfen. Vorn fuhren sie mit zwei platten Reifen los. Wieder hämmerte die MPi.

      Ich sah jetzt den Umriss vom Kopf des Beifahrers am rechten hinteren Seitenfenster. Und wieder knallte meine Automatic. Der Kopf tauchte unter, und das Schießen hörte auf. Der Fahrer des anderen Wagens mühte sich, trotz der platten Reifen vom Fleck zu kommen. Zunächst gelang es ihm, aber dann begannen die gewalkten Reifen von den Felgen zu springen.

      Der Wagen befand sich keine fünfzig Schritt weit von uns, als der erste Reifen, rechts vorn, von der Felge sprang. Noch gut zehn Yards weit rollte das blaue Fahrzeug, dann war es aus.

      Ich erkannte ein Bein an der geöffneten Tür und schoss sofort. Das Bein verschwand, dann wurde mit einem Male das Hinterfenster weiß. Weiß mit vielen Löchern in der Mitte. Sie schossen durch das Hinterfenster auf uns.

      Die Schüsse prasselten in unseren Wagen hinein. Plötzlich schoss eine Stichflamme aus dem Heck unseres Leihwagens. Sie hatten den Tank getroffen.

      Das Benzin floss brennend heraus, bis zu meinen Füßen. Ich musste hier weg!

      Aber was war mit Tom Higgins?

      Ich richtete mich im Schutz der aufgeklappten Tür auf und sah Tom reglos zwischen Sitz und Pedalen liegen, den Kopf blutüberströmt.

      Als ich Tom an den Schultern packte, um ihn nach draußen zu ziehen, schoss eine Stichflamme zwischen Kofferraum und Rücksitzlehne zum Wagenhimmel. Im Nu fing der Kunststoffbezug Feuer, und im Handumdrehen stand alles in Rauch und Flammen.

      Ich hatte Tom gerade mit dem Oberkörper draußen, als ich durch den Spalt zwischen Tür und Karosserie nach vorn blickte. Dort tauchte gerade ein Mann im dunklen Anzug auf, eine MPi im Anschlag. Er lief mit langen Sätzen auf unseren Wagen zu.

      Ich musste Tom loslassen, zielte durch den Schlitz und schoss. Er lief weiter, als sei er nicht getroffen, doch plötzlich blieb er stehen, und drückte die MPi ab. Während die Schüsse aus dem Lauf hämmerten, drehte sich der Mann auf der Stelle, und seine Schüsse jagten zuerst in den Boden, dann gen Himmel. Er fiel auf den Rücken, und noch immer ratterte die MPi bis der letzte Schuss heraus war. Und selbst dann noch krampfte sich der Finger des niedergestürzten Mannes um den Abzug.

      Ich zog Tom ganz aus dem nun in hellen Flammen stehenden Wagen. Jetzt kam das brennende Benzin auch zu der Stelle gelaufen, an der ich Deckung gefunden hatte. Und vorn, in dem anderen Fahrzeug, musste noch jener zweite Mann sein. War er verletzt? War er tot? Lauerte er nur darauf, uns abknallen zu können?

      Fragen, die ich nicht beantwortet bekam, noch nicht.

      Ich rechnete mit allem. Tom Higgins schien schwer verletzt zu sein, und ich musste ihn unbedingt aus den Flammen zerren.

      In diesem Augenblick kam Wind auf. Er trieb die Flammen — und die Hitze — genau auf Tom und mich zu. Jetzt gab es kein Überlegen mehr.

      Ich packte Tom an den Schultern und schleppte ihn im beißenden Qualm bis zum Straßenrand und noch weiter ein Stück in eine Wiese hinein.

      Es fiel kein Schuss mehr. Und unser Wagen war indessen eine einzige Fackel.

      Tom hatte einen Kopfschuss bekommen, vielleicht auch nur einen Streifschuss. Ich sah zunächst nichts genaues vor Blut. Ich wickelte ihm ein Verbandspäckchen, das ich immer bei mir trage, um den Kopf und legte ihn hoch. Dann stand ich auf, die Automatic schussbereit in der Hand.

      Der Mann mit der MPi lag reglos auf dem Rücken. Die MPi war ihm indessen aus der Hand geglitten, und der Arm war zur Brust herabgesunken.

      Ich konnte mich noch nicht um ihn kümmern, solange ich im Ungewissen war, was aus dem anderen Schurken geworden war. Vorsichtig pirschte ich mich an den plattfüßigen Chevy heran.

      Der Mann lag im Fond und versuchte gerade, sich einen Verband um den Hals zu schlingen, der heftig blutete. Da sah er mich.

      Ein junges Gesicht blickte mich an. Der Mann konnte kaum älter als zwanzig sein. Er trug das Haar im Bürstenschnitt, und irgendwie sah er gar nicht unsympathisch aus. Etwas an ihm erinnerte mich an Tony Curtis. Er hatte Angst, ich fühlte es. In seinen Augen war es abzulesen.

      Ich öffnete die Tür.

      „Raus!“, sagte ich scharf, und er kletterte, eine Hand an der blutenden Wunde, ins Freie. Sein Hemd und der dunkle Anzug waren besudelt von Blut, aber die Wunde war eigentlich harmlos. Ein Kratzer nur, der sich viel schlimmer ansah, als er war.

      Ich tastete den Burschen nach Waffen ab und fand noch eine Tränengashandgranate. „Neckische Sachen, die du mit dir ’rumschleppst, Freundchen.“

      Er schwieg. Ich wickelte ihm das Taschentuch in einem Schal um seine Halswunde und sagte: „So, nun vorwärts!“

      In diesem Augenblick näherte sich ein Sattelschlepper. Er hielt ein respektvolles

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