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wir in diesem Buch erkunden, und die Bereitschaft mitbringen, gewisse Prinzipien anzuwenden, können Sie sich selbst emotional heilen, indem Sie die neuronalen Netzwerke in Ihrem Gehirn verändern. Lange Zeit glaubten die Wissenschaftler, das Gehirn sei fest »verdrahtet«, Veränderungen seien somit unmöglich, unsere von den Eltern ererbten Reaktionsmöglichkeiten und Neigungen unser Schicksal. Doch das Gehirn verfügt über eine große Elastizität; es kann alte Gedankenpfade stilllegen und neue eröffnen, zu jeder Zeit und in jedem Alter – und zwar ziemlich schnell, vor allem im Vergleich mit den gewöhnlichen Evolutionsmodellen, wo die Zeit in Generationen und Äonen gemessen wird und nicht in Wochen.

      Eines wird den Neurowissenschaftlern – wie auch mir persönlich – immer klarer:

      • Unsere Gedanken sind wirklich wichtig. Denn:

      • Unsere Gedanken verwirklichen sich.

      2

      Auf dem Rücken eines Giganten

      Wir müssen uns mithilfe unseres Geistes emporheben …

      Denn wer seinen Geist bezwungen hat,

      dem ist er der beste Freund;

      doch wem das nicht gelang,

      dem wird sein Geist der größte Feind bleiben.

       Bhagavad-Gita

      Wir alle kennen den Ausdruck »Der Geist ist stärker als die Materie«, wenn es um einen Menschen geht, der widrigen Umständen mit Willenskraft getrotzt hat. Man könnte ihn auch gut auf die Geschichte meiner Heilung nach dem Unfall anwenden, die ich im ersten Kapitel erzählt habe. Wir denken in der Regel nicht weiter darüber nach, wenn wir so etwas hören – es bedeutet einfach, dass jemand sich entschlossen hat, etwas zu tun, und sich nicht von äußeren Einflüssen davon abhalten lässt. Wahrscheinlich halten auch Sie sich für fähig, diese auf der körperlichen, der mentalen und der emotionalen Ebene wirksame Geisteskraft unter gewissen Umständen einzusetzen.

      Stellen Sie sich vor, Sie hätten als Kind unter Höhenangst gelitten. Zusammen mit Ihren Freunden sind Sie im Ferienlager an einem See. Am Ufer erhebt sich ein großer Felsen, von dem alle mit großem Spaß ins Wasser hinunterspringen. Eine Weile planschen Sie ganz vergnügt im Wasser umher, bis jemand – wahrscheinlich einer der großen Jungen oder eines Ihrer Geschwister – bemerkt, dass Sie als Einzige(r) noch nicht gesprungen sind. Selbst die Kleinste aus der Gruppe hat es schon gewagt. Um dem Gehänsel und dem ewigen Nassgespritztwerden zu entgehen, klettern Sie schließlich mit zitternden Knien auf den Felsen.

      Die Sonne brennt auf Ihren Schultern, der kühle Wind verursacht Ihnen eine Gänsehaut, und Sie starren dem Wasser hinterher, das aus Ihren Haaren in die Tiefe tropft. Währenddessen rasen die Gedanken durch Ihren Kopf: »Tu’s nicht!« meldet sich Ihre innere Stimme. Ihre Zähne fangen an zu klappern; Sie treten unentschlossen einen Schritt zurück. Von unten ertönt lautes Gejohle. Sie schauen wieder hinab und derjenige, der Sie am meisten gehänselt hat, ruft jetzt zusammen mit den anderen ermutigend: »Los, komm schon!« Sie fassen den Entschluss, ein Adrenalinstoß fährt durch Ihren Körper, Ihre Knie scheinen nachzugeben, aber da schweben Sie schon in der Luft und sausen Richtung Wasser.

      Prustend und spuckend tauchen Sie wieder auf, Ihnen wird heiß vor Triumphgefühl, denn Sie wissen, dass Sie etwas Wichtiges in Ihrem Leben geändert haben. Sie haben alle Zweifel, Ängste und Unsicherheiten dort oben auf dem Felsen gelassen, wo sie jetzt mitsamt Ihren nassen Fußspuren in der Sonne verdunsten. Alle Schreckensfantasien sind verschwunden und haben einer neuen, positiveren Wirklichkeit Platz gemacht.

      Ich habe dieses recht verbreitete Beispiel gewählt, um zu zeigen, wie viele Menschen durch Vorgänge in ihrem Inneren buchstäblich behindert sind und weder die Größe ihrer Existenz erfahren noch die Freiheit und Freude eines angstfreien Lebens genießen können.

      Ich bin sicher, Sie haben irgendwann in Ihrem Leben selbst die Erfahrung gemacht: Ja, der Geist ist stärker als die Materie. Mir ist das schon mehrfach widerfahren, aber nie war es so eindrücklich wie damals nach dem Unfall. Ich hatte schon immer die Tendenz, mich vorwärtszutreiben, mich weiterzuentwickeln, und das Potenzial des menschlichen Geistes und Körpers hat mich seit jeher fasziniert. Vor allem interessierte mich, was möglich ist, wenn Geist und Körper richtig zusammenwirken. Natürlich war mir klar, dass beide nicht wirklich voneinander getrennt sind, aber ich fragte mich oft, wer denn nun eigentlich das Ruder in der Hand hält. Wer hat das Sagen? Sind wir wirklich dazu verdammt, bestimmten Krankheiten zum Opfer zu fallen oder schädlichen Neigungen nachzugehen, bloß weil das in unseren Genen verankert ist? Sind wir den Launen unserer Lebensumstände tatsächlich hilflos ausgeliefert?

      Einführung in das Thema »Veränderung«

      Nachdem ich das machtvolle Zusammenwirken von Geist und Körper an mir selbst erfahren hatte, fragte ich mich, ob andere Ähnliches erlebten. Ich wusste, dass schon viele Menschen die Prognosen der konventionellen Medizin widerlegt hatten, und ich wünschte mir ein umfassenderes Verständnis von Heilung. Ich musste nicht lange warten, um geeignete Objekte für meine informellen Studien zu finden.

      Dean: Ein Blinzeln und ein Nicken

      Als ich Dean zum ersten Mal in meinem Wartezimmer sah, lächelte er und blinzelte mir zu. Er hatte zwei zitronengroße Tumoren im Gesicht, einen rechts unter seinem Kinn, den anderen links auf seiner Stirn. Während der Untersuchung erklärte mir Dean, er habe Leukämie. Ich fragte ihn, welche Medikamente er nehme und welche Therapien er anwende, um die Krankheit im Griff zu behalten. »Keine, noch nie«, erwiderte er. Ich setzte meine Untersuchung fort und versuchte, mich auf das zu konzentrieren, was ich tat, doch eigentlich hätte ich ihn lieber mit Dutzenden Fragen gelöchert. Ich hatte mich selbst von einer Verletzung geheilt, aber das hier war eine andere Geschichte. Leukämie, insbesondere akute myeloische Leukämie, wie Dean sie hatte, ist eine stark schwächende, sehr schmerzhafte Erkrankung. Das war keine Verletzung, die der Körper in einer gewissen Zeitspanne ausheilen konnte wie einen Knochenbruch.

      Als Deans Ärzte seine Diagnose stellten, hatten sie ihm noch sechs Monate gegeben. Genau in diesem Augenblick, so berichtete Dean, habe er sich selbst versprochen, den Highschool-Abschluss seines Sohnes zu erleben. Dieser bedeutende Moment lag inzwischen 25 Jahre zurück … Jetzt strahlte Dean mich vom Untersuchungstisch aus an und erzählte, sein jüngster Enkel komme demnächst in die Highschool. Ich staunte nicht schlecht.

      Nach dieser ersten Begegnung kam Dean noch ein paarmal zur Behandlung zu mir. Eines Tages traute ich mich schließlich mit der Frage heraus, wie er das alles denn zuwege gebracht habe. »Du solltest seit 24 Jahren tot sein, aber du lebst noch, und zwar ohne Operationen, Therapien oder Medikamente. Was ist dein Geheimnis?«

      Mit einem breiten Grinsen lehnte Dean sich zu mir herüber und deutete auf seine Stirn: »Du musst einfach deinen Kopf klar kriegen!«

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