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Blick, wie bei Talleyrand, hervordrang, der aber etwas Erloschenes hatte; er behielt den republikanischen Backenbart bei und trug seine braunen Haare sehr lang. Seine Hände, die auf jedem Fingerglied mit einem kleinen Büschel Haare bewachsen waren, zeugten durch dicke blaue, vorspringende Adern von starker Muskelkraft. Er hatte einen Brustkasten wie der Herkules Farnese und Schultern, die die Staatsschuld hätten tragen können. Man sieht solche Schultern heutzutage nur noch bei Tortoni. Diese übermäßig ausgeprägte Männlichkeit fand sich ganz vortrefflich gekennzeichnet durch einen Ausdruck, der im vergangenen Jahrhundert gebräuchlich war, während man ihn heute kaum noch versteht: im galanten Stil der vorigen Epoche hätte Du Bousquier als ein wahrer ›rückständiger Zahler‹ gegolten. Aber so wie bei dem Chevalier de Valois fanden sich auch bei Du Bousquier Anzeichen, die zu dem Gesamteindruck der Person in Widerspruch standen. So hatte der ehemalige Lieferant nicht die Stimme seiner Muskeln. Nicht etwa, dass seine Stimme dünn und kreischend gewesen wäre, so wie sie manchmal aus dem Munde dieser zweibeinigen Robben herauskommt. Sie war im Gegenteil stark, jedoch dumpf; man wird am besten einen Begriff von ihr bekommen, wenn man sie mit dem Geräusch vergleicht, das eine Säge macht, die durch weiches, nasses Holz geht; kurz, es war die Stimme eines gehetzten Spekulanten.

      Du Bousquier behielt noch lange das Kostüm bei, das zur Zeit seines Ruhmes Mode gewesen war: die Stulpenstiefel, die weißseidenen Strümpfe, die kurze Hose aus geripptem, zimtbraunem Tuch, die Weste à la Robespierre und den blauen Rock. Obwohl ihm der Hass des Ersten Konsuls ein Anrecht auf die Gunst der royalistischen Spitzen der Gesellschaft gegeben hätte, wurde Du Bousquier in sieben oder acht Familien, die den Faubourg Saint-Germain von Alençon bildeten und bei denen der Chevalier de Valois Zutritt hatte, nicht empfangen. Zuerst hatte er alles versucht, um Mademoiselle Armande, die Schwester eines der angesehensten Adligen der Stadt, zu heiraten, da er aus dieser Verbindung große Vorteile für seine anderweitigen Pläne, die in einer glänzenden Revanche gipfelten, zu ziehen hoffte. Er holte sich einen Korb. Er tröstete sich mit der Entschädigung, die ihm ein Dutzend anderer reicher Familien bot, die ehemals Alençonspitzen fabriziert hatten, jetzt Weiden und Rinder besaßen und einen Leinenhandel en gros betrieben, und er hoffte da gelegentlich zu einer guten Partie zu kommen. Der alte Junggeselle hatte in der Tat all seine Hoffnungen auf eine günstige Heirat gesetzt, und seine verschiedenen Fähigkeiten schienen ihm eine solche zu verbürgen. Er entbehrte in finanziellen Dingen nicht einer gewissen Geschicklichkeit, die sich viele Leute zunutze machten. Wie der ruinierte Spieler die Neulinge anleitet, wies er auf Spekulationen hin, empfahl die Wege, die Aussichten und die Durchführung. Er galt für einen guten Verwalter: es war oft die Rede davon, ihn zum Bürgermeister von Alençon zu ernennen. Aber die Erinnerung an seine Machenschaften zur Zeit der republikanischen Regierung schadete ihm; er wurde auf der Präfektur niemals empfangen. Alle Regierungen, die aufeinander folgten, selbst die der Hundert Tage, weigerten sich, ihn zum Bürgermeister von Alençon zu machen, und sein ganzer Ehrgeiz ging auf diese Stellung aus, da sie ihm zur Heirat mit einer alten Jungfer, auf die er schließlich sein Augenmerk gerichtet hatte, verhelfen hätte. Sein Hass gegen die kaiserliche Regierung hatte ihn zunächst der royalistischen Partei zugeführt, und er blieb darin, trotz der Beleidigungen, die er einstecken musste. Aber als er bei der ersten Wiederkehr der Bourbonen weiterhin von der Präfektur ausgeschlossen blieb, fasste er einen tiefen, wenn auch heimlichen Hass gegen die Bourbonen, denn er war seinen Anschauungen offenbar treu geblieben. Er wurde das Oberhaupt der liberalen Partei Alençons, der unsichtbare Leiter der Wahlen und fügte der Restauration durch die Geschicklichkeit seiner heimlichen Manöver und die Verschlagenheit seiner Umtriebe beträchtlichen Schaden zu. Du Bousquiers Hass war, wie es bei Personen zu sein pflegt, bei denen der Verstand vorherrschend ist, anscheinend ruhig. Er glich einem Bach, der zwar nicht mächtig, aber unversiegbar ist; er war wie der des Negers, so friedlich, so geduldig, dass er den Feind irreführte. Seine Rache, die er fünfzehn Jahre lang ausbrütete, wurde durch keinen Sieg, nicht einmal durch den Triumph der Julitage von 1830, gesättigt.

      Nicht ohne Absicht hatte der Chevalier de Valois Suzanne zu Du Bousquier geschickt Der Liberale und der Royalist hatten sich gegenseitig durchschaut, trotz der klugen Verstellung, mit der sie ihre gemeinsame Hoffnung vor der ganzen Stadt verbargen. Diese beiden alten Junggesellen waren Rivalen. Jeder von ihnen hatte die Absicht, Mademoiselle Cormon zu heiraten, von der Monsieur de Valois soeben mit Suzanne gesprochen hatte. Beide erwarteten, in ihre Idee verbissen und nach außen mit Gleichgültigkeit gewappnet, den Augenblick, wo ihnen ein Zufall diese alte Jungfer ausliefern würde. Wenn also auch nicht die Systeme, deren lebendiger Ausdruck die beiden Hagestolze waren, eine unüberbrückbare Kluft zwischen ihnen gebildet hätten, so hätte sie ihre Nebenbuhlerschaft zu Feinden gemacht. Die Zeitläufte färben auf die Menschen, die sie durchleben, ab. Diese beiden Personen taten die Richtigkeit dieser Regel durch den Gegensatz der historischen Färbung dar, der in ihren Physiognomien, ihren Gesprächen, ihren Ideen und ihrer Kleidung ausgeprägt war. Der eine, kurz angebunden, energisch, mit breiten und plötzlichen Bewegungen, barsch und knapp in den Worten, dunkel in Teint, Haar und Blick, dem Anschein nach schrecklich, in Wirklichkeit ohnmächtig wie ein niedergeschlagener Aufstand, verkörperte treffend die Republik.

      Der andere, glatt und höflich, elegant, geschmackvoll, gepflegt, verfolgte sein Ziel mit den langsamen, aber unfehlbaren Mitteln der Diplomatie, blieb dem guten Geschmack treu und war ein Bild des ehemaligen Höflings. Diese beiden Gegner trafen sich fast alle Abende auf dem nämlichen Terrain. Der Krieg war höflich und leutselig von seiten des Chevaliers; Du Bousquier befleißigte sich nicht so sehr der Form, obwohl er die von der Gesellschaft gebotenen Konventionen beachtete, denn er wollte sich nicht vom Schauplatz verjagen lassen. Gegenseitig verstanden sich die beiden sehr wohl. Trotz des Scharfsinns, den die Provinzler für die kleinen Angelegenheiten, die sich in ihrem Kreise abspielen, entfalten, ahnte niemand die Rivalität der beiden Männer, Der Chevalier de Valois hatte einen weitaus günstigeren Stand, er hatte niemals um die Hand von Mademoiselle Cormon angehalten; Du Bousquier hingegen, der, nachdem er in dem angesehensten Hause des Landes eine Schlappe erlitten hatte, in die Reihe der Bewerber getreten war, war abgewiesen worden. Doch musste der Chevalier seinem Rivalen noch bedeutende Erfolgsmöglichkeiten zutrauen, um ihm einen so wohlüberlegten tiefsitzenden Stich mit einer so geschärften Klinge, wie es Suzanne war, zu versetzen. Der Chevalier hatte die Sonde in das Gewässer Du Bousquiers gesenkt, und wie man sehen wird, hatte er sich in keiner seiner Vermutungen getäuscht.

      Suzanne ging mit leichtem Schritt von der Rue du Cours durch die Rue de la Porte de Séez und die Rue du Bercail bis zu der Rue du Cygne, wo Du Bousquier seit fünf Jahren ein kleines Provinzhaus besaß, das aus grauem Kalkstein, ähnlich dem Bruchstein des normannischen Granits oder dem bretonischen Schiefer, gebaut war. Der ehemalige Lieferant hatte sich komfortabler als jeder andere in der Stadt eingerichtet, denn er besaß noch einige Möbel aus der Zeit seiner Herrlichkeit; doch die Sitten der Provinz hatten allmählich den Glanz des gefallenen Sardanapal verdunkelt. Die Spuren seines früheren Luxus wirkten in dem Hause wie ein Kronleuchter in einer Scheune. Die Harmonie, das bindende Element jedes menschlichen und göttlichen Werkes, fehlte in den großen wie in den kleinen Dingen. Auf einer schönen Kommode stand ein Wassertopf mit Deckel, wie man ihn nur in der Bretagne sieht. Ein hübscher Teppich bedeckte den Fußboden, doch an den Fenstern waren Vorhänge aus gewöhnlichem Kattun mit aufgedruckten Rosenbuketts. Auf dem hässlich bemalten steinernen Kamin stand eine prächtige Uhr, zu der wiederum zwei elende Leuchter schlecht passten. Die Treppe, die jeder hinaufstieg, ohne sich die Füße abzutreten, war nicht gestrichen. Die Türen, die von einem einheimischen Maler aufgefrischt worden waren, stießen den Blick durch schreiende Farben ab. Wie die Zeit, die Du Bousquier repräsentierte, enthielt dieses Haus einen zusammengewürfelten Haufen von schmutzigen und herrlichen Dingen. Du Bousquier galt für einen Mann von gutem Auskommen und führte das gleiche Schmarotzerdasein wie der Chevalier; wer sein Einkommen nicht ausgibt, wird immer reich sein. Als einzigen dienstbaren Geist hatte er einen tölpelhaften Jungen vom Lande, eine Art Jocrisse, den Du Bousquier allmählich wie einen Orang-Utan abgerichtet hatte, den Fußboden zu scheuern, die Möbel abzuwischen, die Stiefel zu wichsen, die Kleidung zu bürsten und ihn abends bei trübem Wetter mit der Laterne oder, wenn es regnete, mit Holzschuhen abzuholen. Wie gewisse Geschöpfe neigte der Junge nur zu einem einzigen Laster: er war gefräßig. Manchmal, wenn Du Bousquier ein Festmahl gab, ließ er ihn seinen blaukarierten baumwollenen Kittel, aus dem immer die Taschen, mit Taschentuch, Messer, einem Stück Kuchen oder einem Apfel vollgestopft,

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