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The Family (Deutsche Edition). Ed Sanders
Читать онлайн.Название The Family (Deutsche Edition)
Год выпуска 0
isbn 9783862871469
Автор произведения Ed Sanders
Жанр Языкознание
Издательство Bookwire
Sie zogen los und suchten Auto, aber es hatte sich spurlos in Luft aufgelöst und sollte auch nie wieder gefunden werden. Eine weitere mysteriöse Anekdote der Manson-Truppe.
Clem, der in der Nähe bei seinen Eltern wohnte, wurde einer von Charlies engsten Mitarbeitern. Er konnte Charlies Gitarrenspiel verblüffend echt kopieren und sogar seine Stimme imitieren. Später sollte er für seine Mithilfe bei der Ermordung des Stuntmans Shorty Shea zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt werden.
Manson lernte auch einen jungen, muskulösen Farmarbeiter aus Panama namens Juan Flynn kennen, der seit 1967 auf der Spahn-Ranch arbeitete und vorher in Vietnam gekämpft hatte. Juan Flynn beeindruckte Manson stark mit seinen grauenhaft-blutigen Kampferlebnissen. Im LSD-Rausch pflegte Juan Flynn das Vietnam-Blutbad wieder zu erleben, und er heulte und brüllte, wenn er mit allen erschreckenden Details beschrieb, wie er drei Tage lang in einem Schützengraben unter den zerfetzten Leichen seiner Kameraden begraben gelegen hatte.
Ein typischer Tag begann damit, dass George Spahn beim Morgengrauen aufstand und den Essensgong ertönen ließ, worauf die Hippie-Pferdeknechte aus ihren Betten sprangen, die Pferde fütterten und sie auf die Weide führten. Sie schlangen ihr Frühstück hinunter und sattelten dann die Pferde für mögliche Besucher. Einige postierten sich auf dem vorderen Gelände der Ranch, um die Reiter die verschiedenen Reitwege hinunterzuführen. Dann mussten sie die Ställe ausmisten und für die Pferde Heu und Hafer vorbereiten.
Es wird berichtet, dass manche Mitglieder der Family große Begeisterung für Pferdeäpfel entwickelten; offenbar gehörte es für sie zu dem Programm, alles zu erleben. Barfuß misteten sie die verwahrlosten Stallungen aus, wobei sie die prallen Pferdeäpfel mit den Zehen zerquetschten.
Nachdem die Family das »Gefängnis« in Beschlag genommen hatte, breitete sie sich auch im Long Horn Saloon und im angrenzenden Rock City Café aus. Charlie richtete sich in einem kleinen Gebäude, das am Ostrand des Western-Geländes lag, ein Büro ein, das später in der Helter-Skelter-Phase als Waffenlager dienen sollte.
Wie ein psychedelisches Mosaik ergriff die Family Besitz von den Wäldern und Wasserläufen und Kulissenbauten der Spahn-Ranch. Sie errichteten Hütten und schlugen in entlegenen Waldlichtungen Zelte auf. Manson zog umher, um die Arbeiten zu beaufsichtigen. »Alle meine Frauen sind Hexen, und ich bin der Teufel«, erzählte er einem Bewohner des hinteren Teils der Ranch.
Offenbar dekorierten sie die Ranch mit selbstgefertigten okkulten Gegenständen. Es wird z.B. von einem Stierschädel berichtet, der in einer Schlucht im hinteren Teil der Ranch auf eine Stange gespießt und mit geheimnisvollen Symbolen bemalt worden sein soll. Mansons höchsteigenes Zelt war bemalt mit einer okkulten Traube von Augen, Sonnen und anderen luziden Kritzeleien.
Die Rancharbeiter waren Fleischesser, während die Mitglieder der Family mehr oder weniger vegetarisch lebten. Zum Essen setzte sich die Family gewöhnlich in einem Kreis zusammen, in dem die gemeinsamen Essschüsseln im entgegengesetzten Uhrzeigersinn die Runde machten. Nach dem Essen wurde Rauschgift gereicht, und Manson schlug die Gitarre und führte den gemeinsamen Gesang an.
Die Hauptnahrungsquelle der Family waren Lebensmittelabfälle. Ein Teil der »Miete«, die die Family auf der Ranch entrichtete, bestand in der Zubereitung von Mahlzeiten. Tag für Tag unternahm die Family ihre Streifzüge nach Lebensmittelresten, westlich von der Spahn-Ranch, im Simi Valley, und östlich, in Chatsworth, ja eigentlich im ganzen San-Fernando-Valley. In den Supermärkten des San-Fernando-Valley wurde Obst und Gemüse einfach weggeworfen, das in den Slums von New York noch als Handelsklasse A hätte verkauft werden können.
Aus Johnnie Schwartzs gelbem 57er Ford, entfernten sie die Rücksitze, um Platz für die Obststeigen mit aussortierter Ware zu haben. Es war der gleiche Wagen, mit dem die Killer später zu den verschiedenen Mordschauplätzen fahren sollten.
Einige Meilen von der Spahn-Ranch entfernt standen an der betonierten Laderampe hinter dem Market-Basket-Supermarkt in Chatsworth zwei riesige lachsfarbene, fahrbare Abfalltonnen. An einem normalen Tag quoll die Tonne linker Hand über von Paletten und Pappkartons mit Sellerie, verschiedenen Salatsorten, aufgeschnittenen Schaufenstermelonen, leicht fleckigen Pfefferschoten, Maiskolben, unreifen Tomaten und zerdrückten Salatköpfen. In der Abfalltonne rechter Hand lagen fette Fleischbrocken, die offensichtlich von Rindersteaks stammten, Pfirsichschachteln und rosa-braune Klumpen von Nierenfett. Die Essbarkeit der meisten Nahrungsmittel ließ sich nur mit der Nase testen.
Die von Manson, der »Seele« getriebenen Mädchen kannten kein Zaudern, wenn es darum ging, in diesem Berg aus verfaulendem Fleisch und Gemüse herumzuwühlen und das Gute vom Schlechten zu trennen.
Bei der Vorbereitung ihrer Streifzüge bedienten sich die Mädchen ihrer Hexenkünste – in Gedanken versuchten sie das Geschäft zu visualisieren, bei dem sie die besten Abfälle finden würden. Sie schickten ihre »Hexenstrahlen« aus und ermittelten so den Standort der am prallsten gefüllten Tonne. Dorthin fuhren sie dann.
Auf der Spahn-Ranch waren regelmäßig irgendwelche Filmaufnahmen im Gange. Das Karma des Marlboro-Zigaretten-Mannes – einige der Werbefilme waren auf der Spahn-Ranch gedreht worden – muss noch über dem Gelände geschwebt haben. Und so spielten sie Spiele, die Mitglieder der Family. Sie spielten, ob man es glaubt oder nicht, Cowboy und Indianer, mexikanische Messerkämpfer, Flachlandbewohner gegen Gebirgsbewohner, Charlie Manson als mexikanischer Bösewicht, der die Tochter des Börsenmaklers von San Diego vergewaltigt. Sei, was du nicht sein willst; befreie deinen Geist.
Diese Spiele waren Bestandteil der sogenannten Magical Mystery Tour und wurden wie die Gruppensitzungen zelebriert, die die Psyche befreien sollten. Die große Aufgabe bestand darin, inmitten des Wirrwarrs von Charakterzügen, die einem teils durch Reinkarnation vererbt und teils durch die Eltern und die Gesellschaft aufgeprägt worden waren, die wahre eigene Persönlichkeit zu entdecken. Die Rolle, in die der Spieler beim Durchspielen seiner verschiedenen Rollen immer wieder »verfiel«, entsprach seiner wahren archetypischen Persönlichkeit. Charlie nannte das »in eine Rolle verfallen«. Paul Watkins zum Beispiel verfiel immer wieder in die Rolle des Apostels Paulus – und ebenso in eine, die die Gruppe »Daddys Junge« nannte.
Im Laufe der Zeit auf der Spahn-Ranch nahm Manson seinen Anhängern gegenüber eine immer zynischere Haltung ein. Er sagte, er habe »auf der Ranch mit den Kindern herumgespielt« um sich danach in einen alten, klapprigen Lastwagen zu schwingen und verdreckt wie er war zu Dennis Wilsons Haus zu fahren. Dort habe er geduscht, sich teure Sachen angezogen, sich etwas Geld geschnappt und sei losgezogen, um sich auf den Hügeln, wo die Luxusvillen standen, zu amüsieren.
Ein Mädchen namens Roberta, das die Gruppe wenig später verließ um sich auf die sicheren Pfade des Zen-Buddhismus zu begeben, sagte über Manson und sein Verhalten im Sommer 1968: »Er war in vieler Hinsicht wunderbar, und er schenkte viel Liebe.« Ständig knutschten und küssten sich die Mitglieder der Family und schliefen miteinander. Sie schliefen unaufhörlich miteinander. Dazu kam die abgeschiedene Lage der Spahn-Ranch im scheinbar sicheren Fantasieland, die Kunde verbreitete sich, und die Leute strömten in Scharen herbei.
Wie bei jeder anderen Jugendbewegung auch tauchten die meisten Rekruten im Sommer auf. Charlie nervten die herbeiströmenden Scharen und entschied durch Hölzchenwerfen, wer bleiben durfte und wer nicht.
Roberta erinnerte sich: »Charlie war sauer, dass so viele Leute auf der Ranch auftauchten, und so kam er auf diesen Einfall ... wie viele von uns dableiben durften ... Er nahm ein paar Streichhölzer und warf sie in die Luft ... und die Richtung ...«, die Richtung entschied offenbar, wer bleiben durfte und wer gehen musste. »Es lief darauf hinaus, dass eine Anzahl Mädchen gehen musste und eine Anzahl Jungen bleiben durfte.«
Wenn Charlie jemanden nicht um sich haben wollte, äffte er ihn nach. Oder, schlimmer noch, er sang Lieder über ihn. Solche armen