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Ein gutes Zeichen.

      Er blickte auf das amerikanische Funkgerät hinunter, welches an seiner Kampfweste steckte, und für einen Moment erwog er, das Basislager zu kontaktieren und die Evakuierung der Archäologen zu befehlen. Zweifellos unterstanden sie seiner Verantwortung.

      Eine schwere Entscheidung. Sollte es den Amerikanern gelingen, seinen Trupp heimlich zu umgehen und das Basislager zu plündern, würde Teheran ihn sicherlich sofort entlassen und wahrscheinlich würde wenig später seine Hinrichtung folgen. Und doch wollte er das Experiment nicht aufs Spiel setzen, indem er seine Verlegung anordnete. Er konnte sich förmlich vorstellen, wie sein Verhör ablaufen würde.

       »Major Farshid Hossein?«

       »Ja?«

       »Sie ordneten an, das Experiment an einen anderen Ort zu schaffen. Trafen Sie diese Entscheidung, weil Sie fürchteten, außerstande zu sein, es zu verteidigen?«

       »Nein, Sir. Mein einziges Bestreben galt dem Wunsch, alle Vorkehrungen zu treffen, das Experiment nicht zu gefährden.«

       »Was auch nicht passiert wäre, hätten Sie Ihre Befehle befolgt. Major Farshid Hossein, Sie haben Schande über die Revolution gebracht …«

      Unwillkürlich begann Hossein zu zittern. Dieses Risiko durfte er nicht eingehen. Er war oft genug Zeuge eines solchen Szenarios gewesen, allerdings von der anderen Seite des Tisches. Also blieb ihm nur noch eine Option.

      Die gegnerischen Soldaten mussten eliminiert werden.

      Er streckte den Arm aus und tippte seinem Sergeant auf die Schulter. »Nehmen Sie Ihre Männer und begeben Sie sich diesen Abhang dort hinauf. Wir werden den Scharfschützen flankieren.«

      Sie hielten sich offenbar für sehr schlau. In leuchtend hellem Grün zeichneten sich die Schemen auf dem Nachtsichtgerät ab, wie sie sich geduckt den Felshang hinaufarbeiteten.

      Aber es würde ihnen nichts nützen. Thomas zielte sorgfältig und richtete das Fadenkreuz auf die Brust des vordersten Soldaten, eines großen, kahlköpfigen Mannes mit einer Kalaschnikow in seinen Händen.

      Der Gewehrschuss krachte durch die Nacht und sein Echo verkündete den Tod. Der große Mann kippte vornüber, sein Gewehr holperte klappernd über die Steine.

      Seine Kameraden suchten hastig Deckung. Die Dunkelheit explodierte, als sie das Feuer erwiderten und auf alles schossen, was einem Ziel auch nur nahe kam.

      Mit ruhiger Hand lud Thomas seine Waffe nach und zielte erneut.

      Er bemerkte erst, dass etwas nicht nach Plan verlief, als eine Kugel an seinem Kopf vorbeipfiff und von den ihn umgebenden Felsbrocken abprallte.

      Sie hatten ihn flankiert. Sein Versteck war aufgeflogen.

      Als er das obere Ende des Felsvorsprungs erreichte, hielt Harry einen Moment lang inne. Das war weit genug. Das Buddy-Prinzip, abwechselnd vorrücken, während jeweils eine Gruppe der anderen Deckung gab. Zeit, Thomas Bescheid zu geben, nach Hause zu kommen, solange er sich noch in der Reichweite für Feuerschutz befand.

      Plötzlich erwachte sein Headset zum Leben. Thomas' Stimme. »EAGLE SIX, hier spricht LONGBOW. Ich sitze fest. Der Feind hat mich festgenagelt. Ich brauche Hilfe. Ich brauche Hilfe, sofort

      »LONGBOW, gibt es eine Möglichkeit, dich zurückzuziehen?«

      »Negativ, EAGLE SIX. Der Fluchtweg ist abgeschnitten.«

      Harry spähte über die Schlucht hinweg, wo sein alter Freund einen letzten, verzweifelten Kampf ausfocht. Sein Herz riet ihm, ihn zu retten, sein Team zurück in den Strudel des Kampfes zu schicken. Aber das konnte er nicht.

      »Harry?« Es war Hamid, der ihn aus seinen Überlegungen riss. »Kehren wir um?«

      »Nein«, antwortete Harry langsam. »Langley erwartet von uns, dass wir eine Mission erfüllen. Wir ziehen weiter.«

      Hamids Einspruch wurde von dem Rattern weiterer Schüsse unterbrochen und die kleine Gruppe starrte in die Dunkelheit hinaus, zu ihrem Kameraden.

      Kugeln schlugen in die Gesteinsbrocken neben Thomas und er zog instinktiv den Kopf ein. Eine grundlegende Taktik, die man seit Jahrzehnten lehrte. Feuern und die Deckung wechseln. Eine Gruppe hielt den Kopf unten, die andere rückte weiter vor.

      Diese Taktik wurde immer noch gelehrt, weil sie so einfach war – und gleichzeitig so effektiv. Und er konnte dem wenig entgegensetzen. Er sah hinauf ins fahle Mondlicht und verfluchte es für seine Helligkeit. Ganz in der Nähe traten Schritte einen Stein lose, der den Abhang hinunterrollte.

      Sie kamen näher.

      Das Scharfschützengewehr nützte ihm nicht mehr viel, also legte er es beiseite und zog stattdessen die Beretta aus ihrem Holster. Nahkampf.

      Dann hörte er noch weitere Schritte …

      Ein einzelner Schuss erklang, gefolgt von einem weiteren, und noch einem und dann dem Rattern einer Kalaschnikow auf Automatik. Dann war es ruhig. Eine unheimliche Stille senkte sich über die felsigen Berghänge herab.

      Hamid warf Harry einen Blick zu und versuchte den größten Teil seines Gewichts auf sein gesundes Bein zu verlagern. Ein blutiger Stofffetzen war um seinen verletzten rechten Oberschenkel gewickelt. »Schick mich zurück, Sir. Ich kann ihm helfen, die Extraktionszone zu erreichen.«

      »Nein. Wir haben bereits Tancretti verloren. Thomas ist vielleicht auch schon tot. Ich brauche jeden verbliebenen Mann, um die Mission auszuführen.«

      »Aber wir können ihn doch nicht einfach da draußen sterben lassen!« Davoods dunkle Augen funkelten zuerst Harry und dann Tex wütend an. »Ich hätte nie gedacht, dass wir so etwas tun würden.«

      »Tja, nun wissen Sie es besser«, unterbrach ihn Tex mit ruhiger, emotionsloser Stimme.

      »Aber er ist Ihr Freund«, protestierte Davood.

      Mit seinen blauen, von Trauer erfüllten Augen sah Harry zu Tex. Die Miene des großen Mannes war in der Dunkelheit nicht zu lesen. Sein Gesicht schien wie eine reglose Maske.

      »Ich weiß«, sagte Harry schließlich und lauschte der Stille, die sich erneut über die Berge gelegt hatte. Die Stille des Todes. Er griff an seinen Gürtel, zog sein TACSAT hervor und rief das eingebaute GPS-System ab. Als er davon wieder aufsah, war sein Missionsgesicht zurückgekehrt.

      »Machen wir, dass wir weiterkommen. Bis zum Lager sind es noch sechs Klicks. Wir müssen vor Tagesanbruch drinnen und wieder draußen sein. Verstanden?«

      »Verstanden, EAGLE SIX«, bestätigte Hamid. Langsam setzte sich das Team in Bewegung.

      Hinter sich ließen sie nur den Tod zurück. Vor ihnen aber lag ihre Mission.

      

       NCS-Einsatzzentrale, Langley, Virginia, 18:09 Uhr Ortszeit

      »Irgendwas auf den Satellitenaufnahmen der NRO zu sehen?«, erkundigte sich Kranemeyer, der in der Tür zu Carters Büro aufgetaucht war.

      »Sorenson hat uns etwas geschickt.« Der Analytiker beugte sich näher an seinen Computer heran und öffnete eine weitere Datei. »Das ist, was wir bisher haben.«

      Die Aufnahme füllte den gesamten Bildschirm und Carter benutzte seinen Kugelschreiber als Pointer. »Er verwendete Wärmebildkameras für den Überflug. Hier haben wir einen hellen Fleck – Michelle ist der Ansicht, dass es sich dabei um den Chopper handelt. Und dann gibt es noch ein paar kleinere Anzeigen. Sehen wir der Sache ins Auge, Direktor – in den Bergen wimmelt es nur so von iranischen Soldaten.«

      Kranemeyer nickte finster, während seine Augen weiter das Bild absuchten. Viel Hoffnung blieb ihnen nicht mehr. Dann entdeckte er etwas. »Was ist das da?«

      Carter folgte seinem ausgestreckten Zeigefinger. »Eine kleine Gruppe. Drei, vielleicht vier Männer. Denken Sie das Gleiche

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