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Seewölfe - Piraten der Weltmeere 446. Burt Frederick
Читать онлайн.Название Seewölfe - Piraten der Weltmeere 446
Год выпуска 0
isbn 9783954398546
Автор произведения Burt Frederick
Жанр Языкознание
Серия Seewölfe - Piraten der Weltmeere
Издательство Bookwire
Impressum
© 1976/2018 Pabel-Moewig Verlag KG,
Pabel ebook, Rastatt.
eISBN: 978-3-95439-854-6
Internet: www.vpm.de und E-Mail: [email protected]
Burt Frederick
Der Pulverturm
Sie sprengten den Turm – aber drei ihrer Männer blieben zurück
Der Franzose Le Testu führte den kleinen Trupp, der nach Arica aufgebrochen war, um zu erkunden, wo man die Dons ein bißchen zwicken konnte. Und so sickerten sie in die Hafenstadt ein und hatten sehr schnell spitz, wo sie ansetzen konnten. Da war zum Beispiel der Gefängnishof an der Plaza, der in diesen Tagen dazu diente, dort die Indios zu sammeln, die nach Potosi verschleppt werden sollten. Diese Tatsache hatten Roger Lutz und Grand Couteau herausgefunden, wobei ein Sargento über die Klinge gesprungen war, die Roger Lutz bravourös geführt hatte. Dann brannte es plötzlich vor Mitternacht am Hafen, und als die Dons dorthin stürzten, um zu löschen, war der Weg für Le Testus Männer zum Gefängnishof frei, um die Indios zu befreien …
Die Hauptpersonen des Romans:
Ferris Tucker – der riesige Schiffszimmermann läßt sich von einer Kopfwunde nicht weiter beeindrucken.
Al Conroy, Batuti und Roger Lutz – die drei Männer geraten in die Gewalt der Spanier und werden an den Pranger gestellt.
Diego de Xamete – der Bürgermeister von Arica meint, einer großen Sache auf der Spur zu sein.
Le Testu – der Hugenotte läßt keinen seiner Kameraden im Stich.
Inhalt
1.
Ein unvergleichlich würziger Geruch wehte den Männern in der Jolle entgegen, hüllte sie buchstäblich ein und ließ ihnen das Wasser im Mund zusammenlaufen. Auflandiger Wind drückte die Luftströmungen in die Felsenbucht hinunter, so daß die feinen Rauchschwaden dicht über der Wasseroberfläche schwebten und daran gehindert wurden, himmelwärts zu zerfasern.
Der Ursprung jener Rauchschwaden war den Männern unter dem Kommando von Gustave Le Testu nur zu gut bekannt. Ein regelrechtes Heimkehrgefühl stellte sich bei ihnen ein, und ohne daß sie es selbst bemerkten, pullten sie schneller. Hingebungsvoll schnupperten sie nach dem Räucherduft. Roger Lutz schloß dabei sogar verzückt die Augen.
Grand Couteau, der neben seinem schwarzhaarigen Landsmann auf der Ducht saß, bemerkte es mit einem Seitenblick und schüttelte grinsend den Kopf. Dann knuffte er Roger mit dem Ellenbogen in die Seite, ohne dabei das Pullen einzustellen. Hier, zwischen den hohen Felswänden, hing das Segel schlaff nach unten wie ein nasser Lappen.
Roger zuckte zusammen und blinzelte unwillig. Giftig fauchte er den kleinen Mann mit dem Namen „Großes Messer“ an.
„Was fällt dir ein, mich in meinen Tagträumen zu stören? Paß auf, daß ich dir nicht gleich die Ohren langziehe und über deinem häßlichen Schädel zusammenknote.“
Le Testu und die anderen grinsten. Roger Lutz, der große Charmeur vor dem Herrn, litt noch immer unter der Tracht Prügel, die er wegen seines amourösen Alleingangs zur Galeone der Komödianten erhalten hatte. Auch Grand Couteau, sein bester Freund, hatte sich seinerzeit an der Maßregelung beteiligt – gerechterweise.
Wenn Roger auch inzwischen vielfache Gelegenheit zur Besserung gehabt und sie eifrig genutzt hatte, so würde er dank seines Temperaments doch zweifellos nicht die Chance vertun, sich ein bißchen zu revanchieren. Grand Couteau zog es deshalb vor, sich in gemäßigter Form zu äußern.
„Wollte nur sagen, wie schön der Himmel heute ist. Klar und blau und ohne ein Wölkchen. Da kann man doch nicht einfach die Klüsen abschotten.“
„Was interessiert mich der Himmel“, entgegnete Roger und legte theatralisch den Kopf in den Nacken, wobei er besagte Klüsen verdrehte. „Sinnliche Genüsse sind es, die einen Mann in Verzückung bringen. Aber davon habt ihr Holzköpfe natürlich keinen blassen Schimmer.“
„Mein Gott!“ Montbars, der hochgewachsene Korse mit den jettschwarzen Augen, seufzte. Sein graues Haar glänzte wie Silber, obwohl das Sonnenlicht an dieser Stelle der Einfahrt zur Bucht lediglich von den Felswänden reflektiert wurde. „Jetzt fängt er wieder mit seinen Weibergeschichten an.“
„Narr“, sagte Roger mit einem verächtlichen Zischlaut. „Hab’s doch immer gewußt, daß ihr Inselaffen nichts anderes versteht, als eure Schafe zu rupfen.“
Furchen des Zorns kerbten sich in das kantige Gesicht des Korsen. Wie viele seiner Landsleute konnte er aufbrausend und unbeherrscht werden, wenn es um die Ehre seiner Heimat ging. Seine Fäuste krampften sich um den Riemen. Es fehlte nicht viel, und er wäre aufgesprungen, um das Schandmaul zu stopfen. Doch der warnende Blick Le Testus traf ihn von der Achterducht her. So begnügte sich Montbars damit, sich ruckartig umzuwenden, da er dem schwarzhaarigen Franzosen den Rücken zuwandte.
„Erstens, du Festlandratte, werden Schafe nicht gerupft, sondern geschoren. Und …“
„Wollte nur mal sehen, ob du aufpaßt“, sagte Roger glucksend.
„… den Festlandsratten“, fuhr Montbars mit erhöhter Stimme fort, „zieht man zweckmäßigerweise das Fell über die Ohren.“
„Du hast was vergessen“, sagte Roger mit beharrlichem Feixen. „Wenn du schon Ed Carberry nachäffst, dann mußt du wenigstens dran denken, daß das Fell in Streifen abgezogen wird. Klar?“
„Ich verstehe sehr gut“, entgegnete der Korse leise und drohend. „Ich verstehe auch, daß du – zweitens – verdammt schlecht über die Geschichte Bescheid weißt. Korsika ist bekanntlich eine Insel im Mittelmeer.“ Montbars sah sich mit schulmeisterhafter Miene um, drehte sich wieder nach vorn und sprach weiter, wobei er Roger Lutz den Rücken zuwandte, während er pullte. „Es ist richtig, daß auf Korsika Affen gelebt haben, allerdings nur bis vor etwa tausend Jahren. Die Biester vermehrten sich so rasend schnell, daß meine Vorfahren beschlossen, sie aufs Festland umzusiedeln. Gesagt, getan. Korsika war frei von Affen, und La Grande Nation entstand – Frankreich. Wenn man einen gewissen Monsieur Lutz betrachtet, kann man seine Abstammung noch sehr genau erkennen: an den Resten des schwarzen Affenpelzes, das seinen Schädel bedeckt – wie in den meisten Fällen.“
„In den meisten Fällen?“ fragte Albert kichernd. Einst war er als der „Bucklige von Quimper“ seinen trüben Geschäften nachgegangen. Den hölzernen Buckel trug der hagere Mann mit dem wirren Haar aber schon lange nicht mehr. „Es gibt ja auch Leute, die den Affenpelz auf der Brust tragen.“