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       Stefanie Willm

       How I find Love

      © 2020 Stefanie Willm

      Verlag & Druck: tredition GmbH, Halenreie 40-44, 22359 Hamburg

ISBN
Paperback:978-3-347-08989-1
Hardcover:978-3-347-08990-7
e-Book:978-3-347-08991-4

      Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

       Donnerstag

      Ich hasse lange Autofahrten. Seit 5 Stunden bin ich jetzt schon unterwegs, um nach Ohio zu kommen. Auf eine Ranch die der Familie einer Kindheitsfreundin gehört. Leider haben wir noch einige Stunden vor uns, da ich versuche auf meinen kleinen Freund Rücksicht zu nehmen und immer wieder kurze Pausen mache. Mein kleiner Freund ist ein 6jähriger Mischling und hört auf den Namen Hasso. Er ist ein kleiner Hund, seine Eltern waren ein Yorkshire-Rüde und eine Chihuahua-Rehpinscher Dame. Ich liebe ihn über alles und war sehr froh darüber, dass ich ihn mitnehmen durfte. Ich habe ihn mit 14 Jahren bekommen und nehme ihn immer mit, wenn es geht.

      Auch jetzt mache ich wieder eine Pause, um Hasso und mir etwas Bewegung zu gönnen. Laut Navi benötigen wir noch zweieinhalb Stunden ohne Pause. Wir sind an einer Raststätte an der Grenze von West Virginia und Ohio. Es ist erstaunlich schön, viel Wiese wenig Müll, das kennt man sonst gar nicht. Aber ich bin trotzdem froh, von hier wegzukommen. Ich habe es nicht so mit fremden Menschen und bin deshalb nicht gern an solchen Orten. Wir machen uns auf den Weg um den Rest hinter uns zubringen, auch wenn ich immer nervöser werde umso näher ich der Ranch komme. Ich habe meine alte Freundin Lucy und ihre Familie schon lange nicht mehr gesehen und war überrascht als sie mich bei ihrem Besuch ihrer Großmutter in Harpers Ferry fragte, ob ich sie mal besuchen möchte. Eigentlich hatte ich nein sagen wollen, jedoch bettelte sie solange bis ich ja sagte. Sie hatte wirklich gute Argumente aus unserer Kindheit parat. Aber sie hatte schon recht, als sie noch in unserem kleinen, nicht mal 300 Einwohner Örtchen gelebt hatte, hatten wir immer sehr viel Spaß und konnten uns auch wirklich alles anvertrauen. Es war furchtbar für mich, als sie wegzog, da waren wir gerade 12. Sie war die einzige Freundin, die ich hatte. Lange hatte es nicht gedauert, bis der Kontakt verloren ging. Ab da hatte jeder von uns ein anderes Leben. Das ist jetzt 8 Jahre her und wir hatten sehr wenig Kontakt in dieser Zeit.

      Das wichtigere Argument war aber eine Frage. „Hast du Harpers Ferry jemals verlassen?“

      Ich brauchte nicht lange nachzudenken, denn das hatte ich nicht. Ich bin mittlerweile 20 Jahre alt und ich weiß, dass ist noch jung, dennoch habe ich unseren Ort nie verlassen. Seit 3 Jahren habe ich meinen Abschluss der High School und seitdem arbeite ich in einem kleinen Diner bei uns in der Nähe. Natürlich hatte ich mir nach der High School andere Dinge für meine Zukunft überlegt. Mein Problem ist leider nur, dass ich sehr schüchtern bin. Deshalb entschied ich mich einfach in meiner kleinen sicheren Blase zu bleiben. Die Leute hier kennen mich und wissen, dass man mit mir nicht viel reden kann. Darum ist es für mich kein Problem im Diner zu arbeiten. Sie sagen mir, was sie wollen und dann lassen sie mich auch in Ruhe, ohne viel zu reden. Auch zu Hause hat sich in den letzten Jahren nicht viel geändert, ich lebe dort mit meinem Vater und den Zwillingen. Meinen Brüdern Ty und Luce. Ich habe noch einen Bruder, Chris. Er lebt allerdings mit seiner Frau in Baltimore. Es ist zwar nur etwas über eine Stunde entfernt, dennoch sehen und hören wir nur sehr wenig von ihm. Aber das ist in meiner Familie ganz normal. Wir hatten uns noch nie viel zu sagen, keiner von uns. Das wurde eigentlich nur noch schlimmer als meine Mutter krank wurde und dann starb.

      Ich war 14, fast 15 als wir das erste Mal von ihrer Krebserkrankung gehört hatten. Es war eine schreckliche Zeit und ich habe versucht zu helfen wo es nur ging. Ich bin die jüngste unter den Geschwistern, dennoch da ich das Mädchen bin, war für mich klar, dass ich eben alle Aufgaben übernehmen musste, die meine Mutter sonst erledigte. Ich machte die Wäsche, den Haushalt, das Vesper für die Jungs und meinen Vater, kochte nach der Schule und kümmerte mich um die Hunde. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt einen zweiten, älteren Hund. Einen Labrador-Mischling Lucky. Hasso war zu dieser Zeit noch ein Welpe weshalb ich bei ihm besonders mit der Erziehung beschäftigt war. Und so kam es, dass ich nach der Schule nicht wie die anderen aus meiner Schule spaß haben konnte, sondern zu Hause war, um alles zu erledigen, bis alle nach Hause kamen. Etwa ein Jahr nach der Krebsdiagnose hatte meine Mutter den Krebs besiegt und alles entspannte sich, auch wenn man im Hinterkopf hatte, dass noch nicht alles vorbei ist. Bei Krebs gibt es einen gewissen Zeitraum, indem man Krebsfrei sein muss, damit man wirklich als geheilt anerkannt wird. 5 Jahre. Meine Mutter schaffte diese 5 Jahre nicht. Als ich 18 war erfuhr ich, dass sie wieder Krebs hatte und dieses Mal war es schlimmer. Er hatte gestreut und schon die Knochen und die Leber befallen. Die meisten wissen, dass es da meist nicht mehr viel Hoffnung gibt. Und so starb meine Mutter, als ich gerade erst 19 war. Für mein Empfinden, viel zu früh. Es ist erst ein Jahr her, dennoch gibt es so viele Momente, in denen ich sie einfach gern bei mir hätte. Auch meine Mutter und ich haben nie sehr viel miteinander geredet, schon gar nicht über Gefühle oder so. Wie gesagt, in meiner Familie wurde noch nie viel geredet. Dennoch haben wir oft miteinander gelacht und wir haben auch gerne Serien miteinander geschaut. Heute schaue ich diese Serien ohne sie und es ist einfach nicht dasselbe. Sie fehlt mir.

      Nach ihrem Tot war es nicht sehr einfach zu Hause. Mein Vater trinkt sehr viel. Ich weiß nicht, ob ich ihn als Alkoholiker bezeichnen würde, denn es gab durchaus schon Tage, an denen er nichts getrunken hat. Ich glaube mich würde das Trinken auch nicht so stören, wenn er nicht blöd werden würde. Also blöd auf die Art, dass er Laut wird und mich anschreit, sobald ihm nur eine Kleinigkeit nicht passt. Er hat mir auch schon so oft gedroht mich aus dem Haus zu schmeißen. Manche Dinge, die er sagt, nehme ich schon gar nicht mehr ernst. Dennoch ist es nicht schön, wenn man alles abbekommt. Er hatte viel Schwierigkeiten, dem Tod meiner Mutter zu verarbeiten. In seiner Trauer stürzte er sich in neue Beziehungen. Die erste hatte er schon zwei Monate nachdem sie gestorben war. Ich fand, dass natürlich nicht großartig, aber was ich dachte oder wollte hat noch nie so richtig jemanden interessiert. Ich durfte mir nur von Verwanden anhören, dass er eben seine Frau verloren hat und so versucht seine Trauer zu bewältigen, aber dass ich meine Mutter verloren hatte, war irgendwie nicht so wichtig. Ich mein, sie war ja „nur“ meine Mutter. Ich konnte das alles nicht verstehen und wollte nur das er mich damit in Ruhe lässt. Aber das tat er natürlich nicht. Eines Tages hat uns seine erste Freundin zu Hause besucht. Ich ging extra zu meiner Tante an diesem Tag, weil ich nicht bereit war eine neue Frau kennen zu lernen. Und was hat er getan? Er hat mit ihr solange gewartet bis ich abends wieder nach Hause gekommen war. Nun ich bin schüchtern, aber nicht unhöflich. So kam es, dass ich sie gezwungenen Maßen doch kennenlernen musste. Aber diese Beziehung hielt nicht lange. Natürlich dauerte es auch nicht lange, bis er die nächste hatte.

      Es gibt fast keinen Tag, an dem ich mich mal nicht mit meinem Vater streite. Ty, Luce und Chris haben sich aus allem herausgehalten, aber ich kann es verstehen. Sie haben einfach immer getan was mein Vater wollte um so den Stress, den ich mit ihm hatte zu vermeiden.

      Gerade deshalb musste ich letztendlich das Angebot von Lucy ergreifen und diesen Ort verlassen. Auch wenn es nur für zwei Wochen ist. Ich versuche mich auf der restlichen Fahrt zu entspannen. Es sind nur noch wenige Kilometer und am liebsten würde ich umkehren, weil ich so nervös bin. Ich mag Lucys Eltern. Bei ihnen hatte ich immer das Gefühl gerngesehen zu sein. Auf sie freute ich mich auch. Ich hoffe ich kann bei ihnen so entspannt sein wie früher, allerdings bezweifle ich das. Ich kann eine Person noch so lange kennen und nicht mehr schüchtern sein, aber wenn ich sie eine Zeit lang nicht mehr gesehen habe beginnt das Schüchtern sein wieder von vorne. Mein größtes Problem, meine größte Angst ist aber Lucys Bruder. Mit ihm hatte ich nicht viel zu tun und hab auch kaum mit ihm geredet, dennoch hatte er immer ein Problem mit mir und

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